Unser Platz an der Sonne
Eine Reise in die deutsche Kolonialzeit


Deutschland ist am Ende. Der Wasserspiegel steigt, die Atomkraftwerke sind marode und soziale Revolten sind an der Tagesordnung. Für die jenigen, die es sich leisten können, bleibt nur die Flucht. Aber wohin?

Zwei der deutschen Flüchtenden befinden sich in "Unser Platz an der Sonne" auf einem Schiff auf dem Atlantik. Sie suchen nach einem neuen Deutschland, nach einem Ort, wo sie in Sicherheit leben können. Was liegt da näher, als Kurs auf die ehemaligen deutschen Kolonien zu nehmen.

Nach einer strapazösen Flucht und endlos erscheinender Zeit auf dem Meer heißen die Ziele Namibia, Tansania und schließlich Südsee. Hier werden die beiden Deutschen mit der kolonialen Vergangenheit konfrontiert, mit Gewalt, Ausbeutung und weißer Überheblichkeit...

Auf ihrer Irrfahrt werden die beiden Passagiere mit ihrer eigenen weißen Überheblichkeit, mit ihrer Überzeugung, dass sie die Träger der wahren Kultur und Zivilisation sind. Afrika ist für den einen nur das Stereotyp eines Urlaubskatalogs bzw. sind für ihn die afrikanischen Länder lediglich hilfsbedürftige Regionen.

Doch der andere Reisende ist immer mehr von den Vorurteilen und der Arroganz seines Kollegen genervt. Allmählich muss er erkennen, dass Weißsein nicht bedeutet, besser zu sein...

Eine tragisch-komische Schiffsreise in die Vergangenheit und letztlich auch in die Gegenwart kolonialen Denkens.

Mit Stefan Meißner und Jörg Schulze-Neuhoff
Text, Regie und Bordkapelle: Heiko Ostendorf

Uraufführung am 21. Juni 2018, 20 Uhr, im Kammertheater Der Kleine Bühnenboden, Münster

Pressestimmen:

"Die neue Produktion des theater odos hebt die weithin vergessene, gewalttätige deutsche Kolonialgeschichte ins Gedächtnis. Minutiös und in teils grimmigen, pointierten Dialogen entkleidet das Stück das als hehre Aufgabe propagierte imperialistische Sendungsbewusstsein, das von „Erziehung zur Kultur“ schwafelt: „Schwachsinn. Eine Kultur, die auf Kosten anderer reich werden will!“ Und es schlägt dabei eindrucksvoll einen Bogen zu einem immer noch herrschenden Überlegenheitsgefühl: Europäer setzen wie selbstverständlich das Maß der Dinge, selbst wenn sie Entwicklungshilfe schicken. In den von Autor und Regisseur Heiko Ostendorf live eingespielten, kurzen Melodiemustern über flirrenden Soundscapes hallte die ganze Tragik dieses Themas immer wieder nach. Es gibt kein Entkommen aus der Geschichte: „Wir haben die Menschen in deren Ländern umgebracht. Glaubst du, die vergessen das so einfach?“"
Westfälische Nachrichten/Münstersche Zeitung
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